Altern Hunde wie Menschen?

Der beste Freund des Menschen

Hunde altern ähnlich wie Menschen (c) CBO
Hunde altern ähnlich wie Menschen (c) CBO

Vom Welpen zum Senior – keine Frage: Wie alle Lebewesen altert auch der beste Freund des Menschen. Wie ihn plagen das Tier Alterserscheinungen, wie etwa abgenutzte Gelenke oder eine Herzschwäche. Aber ist der Alterungsprozess bei Mensch und Hund vergleichbar? Und stimmt die Behauptung, dass ein Hundejahr sieben Menschenjahren entspricht?

Das Haustier Hund profitiert zunächst einmal davon, dass – wie beim Menschen – Fortschritte in medizinischer Versorgung und eine verbesserte Ernährung zu einem deutlich verlängerten Leben führen.  Das war die gute Nachricht. Die Schlechte: Je älter Hunde werden, umso häufiger leiden sie unter alterstypischen Erkrankungen. Auch das verbindet die Vierbeiner mit ihrem Menschen: aktivere entzündliche Prozesse und verstärkter oxidativer Stress, was mittelfristig zu chronischen Entzündungen mit den daraus entstehenden Schädigungen führen kann.

Doch laufen die Alterungsprozesse von Mensch und Hund gleich ab? Um diese Frage zu beantworten, untersuchten Altershundeforscher um Dr. Alexander vom WALTHAM-Zentrum für Tiernahrung in Großbritannien Anzeichen für Entzündungen und oxidativen Stress im Blut der Tiere (Quelle: beilit – ein medizinisch-wissenschaftliches Literaturportal). Dazu wurden 80 Labrador Retriever vom Erwachsenenalter bis zum Lebensende begleitet und regelmäßig getestet.

Dabei fanden die Forscher heraus, dass verschiedene Anzeichen für Entzündungen mit dem Alter vermehrt im Blut der Tiere vorlagen. Dazu gehörten speziell die M-Immunoglobuline aus dem Abwehrsystem und 8-hydroxy-2-deoxyguanosine. Andere Anzeichen für entzündliche Prozesse schienen dagegen nicht altersabhängig erhöht zu sein: das G-Immunoglobulin sowie das C-reaktive Protein schienen erst im letzten Lebensjahr auffällig zu werden. Ein Anzeichen für zunehmenden oxidativen Stress fanden die Wissenschaftler in der Menge des Hitzeschockproteins: Dieses Eiweiß gehört zur schnellen Eingreiftruppe, wenn übermäßig aggressive Abfallstoffe auflaufen. Seinen Namen hat das Hitzeschockprotein daher, dass oxidativer Stress beispielsweise dann verstärkt stattfindet, wenn Zellen zu heiß werden. Die Menge dieses Aufräumers sank mit dem Alter der Hunde. Allerdings konnten sie trotzdem, bei akutem Hitzestress, das Eiweiß rasch wieder in den benötigten Mengen herstellen. Erst im letzten Lebensjahr schien auch hier die Leistung des Körpers seine Grenzen zu erreichen. Das Hitzeschockprotein wurde bei Bedarf kaum mehr produziert.

Fazit der Studie: Hunde altern vergleichbar zu Menschen – entzündliche Prozesse wurden aktiver, Reparaturwerkzeuge und Abfallaufräumer konnten nach und nach nur noch in geringeren Mengen gefunden werden.

Damit stellen sowohl entzündliche Prozesse als auch Eingreiftrupps für den oxidativen Stress sowohl bei Hunden als auch bei Menschen ein Behandlungsziel im Alter dar. Die Behandlung von Partnerhunden wird inzwischen als ernstzunehmende Möglichkeit der frühen Erforschung neuer Behandlungsansätze für alterstypische Erkrankungen angesehen. Diese Studie unterstützt mit ihren durchaus menschlichen Vorgängen im alternden Hund diesen Trend, den Partnerhund zu behandeln und gleichzeitig der Menschenbehandlung einen Wissenszuwachs zu bescheren.

Gut für Mensch und Hund: den oxidativen Stress vermindern

Die Daten deuten an, dass zur Unterstützung gesunden Alterns eine kombinierte Methode zum Verlangsamen der entzündlichen Prozesse und zur Stärkung der Reparaturmechanismen des Körpers angewendet werden sollte. Speziell sollte nun auch über mögliche Verbesserungen von tierärztlichen Behandlungen alternder Hunde nachgedacht werden. Auch eine zusätzliche Ernährung mit Antioxidantien sollte in Erwägung gezogen werden. So hat kürzlich eine placebo-kontrollierte Studie (Sechi und Kollegen, 2017 im Fachjournal Canadian Journal of Veterinary Research erschienen) gezeigt, dass eine ausgewogene Ernährung mit Zusatz von Antioxidantien messbar oxidativen Stress bei Hunden abmildern kann. Vielleicht kann also, was dem Hund hilft, auch uns Menschen das Altern erleichtern.

Ein Hundejahr gleich sieben Menschenjahre?

Die frühere Faustformel ist überholt. Hundehalter wissen: Große, schwere Rassen werden nicht so alt wie Hunde kleiner Rassen. Ein 8 Jahre alter Cairn Terrier (wird rund 30 cm hoch und wiegt rund 7 Kilo) zählt rund 52 Menschenjahre, ein „gleichalter“ Bernhardiner (rund 80 cm hoch und über 60 Kilo schwer) ist seinem Lebensende mit gut 76 Menschenjahren schon wesentlich näher. Das „Menschenalter“ seines Hundes kann man übrigens auf der Hundeseite online berechnen lassen.

Warum leben kleine Hunde länger? Die Wissenschaft will herausgefunden haben, das Vertreter kleiner Rassen von einer Art Langlebigkeits-Gen profitieren („Insulin-ähnlicher Wachstumsfaktor 1“). Wenn dieses Gen nur eine geringe Aktivität besitzt, verlängert es das Leben (übrigens auch bei Fadenwürmern oder Fliegen).

Sicher ist aber auch, dass Altern bei allen Lebewesen ein komplexer Prozess ist, der nicht nur von genetischen Faktoren abhängt. Mindestens genauso wichtig sind eine gesunde Lebensweise, ausreichend Bewegung und harmonische Freundschaften (letztes ist zumindest für den Menschen von großer Bedeutung; soziale Kontakte sind wohl für alle „Rudeltiere“ ein wichtiger Gesundheitsfaktor.